ROCK-ALS: Fasudil bei Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose

Studie der Zentralen Biobank UMG

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine rasch voranschreitende neurologische Erkrankung, bei der die für die Steuerung der Muskulatur verantwortlichen Nervenzellen zugrunde gehen. In der Folge kommt es zu Lähmungen von Armen und Beinen, zu Sprach- und Schluckstörungen sowie zu Atemproblemen. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es kein Medikament, das die Erkrankung heilen oder stoppen könnte. Riluzol ist derzeit in Deutschland das einzige zugelassene Medikament, das eine moderate Lebensverlängerung bewirkt. Um die Erkrankung noch wirksamer aufhalten zu können, ist es dringend erforderlich, noch wirksamere Medikamente zu finden.

Zahlreiche Tierversuche verschiedener internationaler Arbeitsgruppen konnten zeigen, dass Medikamente, die den körpereigenen Eiweißbaustein Rho-Kinase (ROCK) hemmen, positive Effekte bei bestimmten neurologischen Erkrankungen, unter anderem auch der ALS, haben. So überlebten Mäuse mit einer Veränderung des Erbguts, die beim Menschen zur ALS und bei den Tieren zu ALS-ähnlichen Symptomen wie Muskellähmungen und Tod innerhalb von 4 Monaten führt, nicht nur deutlich länger als die gleichen Tiere, die mit einem Scheinarzneimittel behandelt wurden, sondern zeigten auch eine bessere Muskelkraft und Beweglichkeit.

Erfreulicherweise gibt es mit Fasudil ein ROCK-hemmendes Medikament, das in Japan bereits seit 1995 zugelassen und seitdem bei mehreren tausend Menschen zur Behandlung von bestimmten Hirnblutungen eingesetzt wird. Daher sind die medizinischen Eigenschaften und Nebenwirkungen von Fasudil gut bekannt. Es hat sich dabei als ein gut verträgliches Medikament erwiesen, bei dem es nur sehr selten zu schwereren Nebenwirkungen gekommen ist.

In der ROCK-ALS-Studie wird aktuell die Sicherheit und Verträglichkeit von Fasudil bei Patienten mit einer ALS überprüft. Zudem soll die therapeutische Wirksamkeit in Bezug auf das Voranschreiten der Erkrankung beurteilt werden. Geplant ist die Behandlung von insgesamt 120 Patienten an über 15 Zentren in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Der erste Patient wurde im Februar 2019 in die Studie eingeschlossen, bis Ende 2019 wurden bereits über 30 Patienten behandelt. Obwohl das Hauptziel der Studie die Untersuchung der Verträglichkeit und Sicherheit von Fasudil ist, wird auch nach Hinweisen auf einen therapeutischen Effektivität geschaut. Dafür werden unter anderem verschiedene Körperflüssigkeiten (Blut, Urin, Speichel, Liquor) von den Patienten gewonnen und auf Marker der Krankheitsaktivität analysiert. Diese werden bis zur endgültigen Bearbeitung in der Zentralen Biobank der UMG eingelagert.

Die Ergebnisse sollen Grundlage für eine größere, internationale klinische Studie sein. Langfristiges Ziel ist es eine neue, wirksame Therapie der ALS zu finden.

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